Interviews

Klangkunst

Im heutigen Interview haben wir mit Alex gesprochen. Mit seinem Projekt Klangkunst hat auch er sich das Upcycling alter Musikinstrumente zur Aufgabe gemacht (vgl. Interview SchlagArtig). Durch einen Blick auf seinen Instagram-Account konnten wir schnell feststellen, dass sich hinter den verschiedenen Instrument-Möbeln ein äußerst kreativer Kopf verstecken muss. Aus diesem Grund sind wir besonders froh darüber, dass sich Alex unseren Fragen gestellt hat. Da aber Bilder bekanntlich mehr sagen, als es Worte je tun könnten, raten wir unseren Lesern dringendst einen Besuch bei “klang_kunst” auf Instagram.

Aaron: Welche Geschichte steckt hinter „Klangkunst“ ,der Idee aus Musikinstrumenten Möbel herzustellen?

Alex: Dahinter steckt eigentlich zuerst einmal die ganz simple Idee, etwas Eigenes erschaffen zu wollen, was anderen Menschen eine Freude bereitet. Am liebsten eine Mischung aus Musik, Handwerk und Kunst. Da ich früher schon immer in der Werkstatt aktiv war und auch oft an meinen eigenen Instrumenten herumgebastelt habe, kam mir irgendwann die Idee, aus gebrauchten oder defekten Instrumenten etwas Neues zu kreieren.  

Aaron: Welchen Bezug hast du persönlich zur Musik? Bist du selbst Musiker ?

Alex: Ich bin selbst leidenschaftlicher Musiker, oder besser gesagt gelernter Schlagzeuger.  Das wird bei uns im Allgäu ja häufig strikt von den Musikern, die ein Blasinstrument spielen getrennt, natürlich nur Spaßeshalber. Mit dem Schlagzeugunterricht habe ich im Alter von 7 Jahren angefangen und spiele es bis heute mit großer Freude. Aber ich probiere auch sehr gerne viele andere Instrumente aus.  So habe ich mir vor ein paar Jahren das Klavierspielen selbst beigebracht. Und auch auf der Gitarre bekomme ich mittlerweile einige Lieder sehr gut hin. Ausprobiert habe ich beispielsweiße aber auch schon ganz andere Instrumente wie den Dudelsack oder das Cello. Leider hält sich das Talent für Letztere aber bisher eher in Grenzen. Aber man weiß ja bekanntlich nie… Im Keller habe ich mir für meine Musik extra einen großen Proberaum eingerichtet, welcher nun mit allerlei Instrumenten bestückt ist. Das ist sozusagen mein persönliches Spielzimmer.

Aaron: Für eine solche Arbeit braucht man ein enormes handwerkliches Geschick. Hast du einen handwerklichen  Beruf erlernt oder ist es schlichtweg einfach ein Talent von dir ?

Alex: Handwerkliches Geschick? Ich glaube das habe ich von meinem Vater vererbt bekommen. Der ist gelernter Schreinermeister, wodurch wir auch immer eine kleine Werkstatt mit vielen Maschinen Zuhause hatten. Außerdem hat er mich Anfangs auch immer mit Rat und Tat unterstützt und tut es auch heute noch gerne, wenn ich einmal Hilfe benötige (Was natürlich nur selten vorkommt 🙂 ). Gelernt habe ich aber auch den handwerklichen Beruf des Werkzeugmechanikers, welchen ich bis heute auch noch hauptberuflich ausübe. In diesem Metallberuf habe ich das sehr genaue und präzise Arbeiten gelernt, welches mir heute in vielerlei Hinsicht zu Gute kommt. Meine künstlerische Ader habe ich wiederum bereits in der Schule entdeckt. Schon dort habe ich lieber den Kunstzweig gewählt, anstatt die mathematische oder wirtschaftliche Richtung einzuschlagen. Heute würde ich behaupten, es war die richtige Entscheidung. Letztendlich habe ich mir somit im Laufe der Jahre alle Interessen und Fähigkeiten angeeignet, die man zum Upcycling mit Instrumenten benötigt.

Aaron: Wie kann man sich deine Kundschaft vorstellen ? Hauptsächlich Musiker oder völlig gemischt ?

Alex: Meine Kundschaft würde ich durchaus als sehr gemischt beschreiben. Natürlich sind darunter viele Musiker. Aber meistens sind es auch eher die Partner oder Freunde vieler Musiker, die ihren Liebsten damit eine Freude machen möchten. Es waren aber auch schon einige Kunden dabei, die gar keinen Bezug zur Musik hatten, die aber gerne ein dekoratives Möbelstück in Ihrer Wohnung haben wollten. 

Aaron: Was war bisher dein spannendstes/aufregendstes Projekt bzw. auch das, was dir bisher am meisten Spaß bei der Arbeit bereitet hat?

Alex: Ich finde tatsächlich bisher so ziemlich jedes Projekt sehr aufregend oder spannend, da es bei jedem Instrument andere Voraussetzungen und somit neue Herausforderungen gibt. Wenn ich mich aber entscheiden müsste, würde ich auf jeden Fall den Bau der ersten Klavierbar als sehr spannend bezeichnen. Das beginnt schon allein bei der Beschaffung der alten Klaviere, die von mir und meinen freiwilligen Helfern meist direkt bei den vorherigen Besitzern in der Wohnung abgeholt werden. In der Werkstatt angekommen, muss das oft sehr schwere Klavier dann mit einem Lader und verschiedenen Transportmitteln vom Anhänger an die Werkbank gebracht werden. Beim Transport und Umbau eines Klaviers ist da natürlich große Vorsicht geboten, damit die sehr schönen Instrumente nicht beschädigt werden. Für den Umbau in eine Klavierbar gibt es dann auch keine strikte Anleitung, da jedes Instrument in einem anderen Zustand ankommt und dabei sehr viele Ideen einfach auch während des Arbeitens entstehen. Aber genau das ist ja auch das coole am sogenannten Upcycling.

Aaron: „Klangkunst“ ist ja ein sog. Upcycyling-Projekt. Wie genau kommst du an die Instrumente ran, die du verbaust ? Sind es in der Regel „verbrauchte“, mittlerweile unbenutzte (evtl. auch defekte) Instrumente oder verwendest du teilweise auch ganz neue, unbenutzte Instrumente ? 

Alex: Meine Instrumente finde ich zum größten Teil im Internet auf diversen Seiten von Gebrauchtmarkt-Anbietern. Das heißt ich verwende überwiegend gebrauchte Instrumente, die meist teilweise defekt sind oder auch gar nicht mehr spielbar sind. So landen diese direkt bei mir in der Werkstatt anstatt auf dem Müll. Ich habe aber auch Kunden, die bereits ihre eigenen Instrumente mitbringen und diese in ein Klangkunst Möbelstück umgebaut haben möchten. Mittlerweile bekomme ich aber auch immer öfter gebrauchte Instrumente von Bekannten oder Freunden geschenkt oder zum Kauf angeboten.  Ich verwende aber nicht ausschließlich gebrauchte Materialien. Ich kombiniere sozusagen gebrauchte Instrumente mit teilweise auch neuen Materialien. Das passiert eben je nach Verfügbarkeit der einzelnen Komponenten und macht es etwas leichter, die Möbelstücke termingerecht und genau anzufertigen. Ich finde aber das Thema Nachhaltigkeit allgemein sehr wichtig und versuche darin eine gesunde Mischung zu finden.

Aaron: Woran arbeitest du aktuell und gibt es gerade neue Projektideen, die du im Kopf hast oder du vielleicht schon bei der Umsetzung dran bist ?
Alex: Aktuell arbeite ich gerade an einer nicht mehr spielbaren Westerngitarre, welche nun zur Schnapsbar umfunktioniert wird.  Das finde ich persönlich immer eine sehr coole Wanddekoration und hängt unter anderem auch bei mir Zuhause an der Wand. Die aktuelle Gitarren Schnapsbar wird jetzt sogar  noch mit einer LED-Beleuchtung ausgestattet. Das hat sich die entsprechende Kundin speziell so gewünscht und wird natürlich von mir dann sehr gerne umgesetzt. Neue Projektideen habe ich aber auch noch sehr viele, nur leider fehlt mir aktuell noch etwas die Zeit für die Umsetzung. Aber ich bin mir sicher, dass schon bald wieder neue Projekte zu sehen sein werden. Verraten werde ich diese aber aktuell natürlich noch nicht. Bleibt also gespannt.

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