Fotostrecke

Musikfotograf Lih aus Mannheim war bei uns zu Gast!

Lih, 27 Jahre alt, wohnt aktuell in Mannheim und ist Musikfotograf. Er war bei uns zu Gast für ein kleines Interview und hat uns einen Einblick in seine Arbeit ermöglicht. Im Anschluss könnt ihr euch auf unserer Seite eine kleine Fotostrecke von ihm anschauen!

Anna: Hey Lih, toll, dass wir dich heute zu Gast haben dürfen. Eine Frage zum Einstieg: wie bist du zur Fotografie gekommen?

Lih: Ich bin dazu gekommen, weil ich im Saarland die Ausbildung zum Konzert- und Festivalveranstalter gemacht habe. Mein Ausbildungsbetrieb heißt 4plus1 Konzerte GmbH. Dort hatte ich die Ehre, mich um den Social Media Auftritt zu kümmern. Vor sechs bis sieben Jahren war Facebook und Instagram noch sehr sehr bildbasiert und da musste ich mir dann überlegen, wo ich den Content herkriege und glücklicherweise sind Konzerte einfach dankbare Motive! Du hast halt die Fans, die den Spaß ihres Lebens haben und die Musiker*innen, die ihre Leidenschaft auf der Bühne teilen und idealerweise hast du auch eine durchdachte Bühnenproduktion und am Ende sieht das alles super schön aus. Und dort war ich mittendrin! Damals habe ich erstmal nur mit meinem Handy fotografiert und dann die Handyfotos auf den jeweiligen Accounts hochgeladen. Danke an Materia und alle, die da waren! Früher, 2014, war die Handyqualität ja noch ganz anders als heute. Deshalb hatte ich schon relativ früh das Gefühl, dass das nicht gut genug aussieht und dann habe ich mir ne‘ gebrauchte Spiegelreflexkamera gekauft und damit weiterfotografiert. Damit bin ich dann noch tiefer in diese ganze Musikfotografie eingestiegen.

Anna: Was fotografierst du denn so am liebsten?

Lih: Konzerte stehen sehr weit oben auf der Liste! Was ich auch super gerne mag, ist einfach Freundinnen und Freunde zu fotografieren. Ich finde es dabei immer ganz schön, wenn man sich gut versteht und einfach ne‘ gute Zeit zusammen hat und weniger dieses Gefühl entsteht: „So, aha, wir müssen jetzt Pressefotos machen, weil man das halt braucht.“

Arnim Teutoburg-Weiß von den Beatsteaks auf dem Rocco del Schlacko Festival 2019, Foto: @CAPADOL

Es ist toll, dass sich das mit dem Musikthema ganz gut deckt, denn viele meiner Freundinnen und Freunde sind in der Musikbranche aktiv. Mit denen kann ich oft zusammenarbeiten und sie auf und hinter der Bühne fotografieren.

Anna: Was willst du mit deinen Bildern ausdrücken?

Lih: Mit meinen Bildern sende ich, denke ich, die Botschaft an die Welt raus, die gesendet werden soll! In den aller meisten Fällen haben ja die Musiker*innen konkrete Vorstellungen, wie sie dargestellt werden wollen und ich bin in der Situation dann einfach der Dienstleister und fange das so ein, wie es am besten passt und wie sie dargestellt werden sollen. Natürlich bringe ich da auch meinen eigenen Stil rein, aber als freier Künstler, so wie sich viele andere bezeichnen sehe ich mich gar nicht. Ich sehe mich in erster Linie als Dienstleister. Und mein eigener Stil ist am Ende des Tages ja auch nur das, wofür die Musiker*innen sich entscheiden, wenn sie mich buchen und nach Fotograf*innen suchen, die ihre Vision am besten darstellen.

Dave Grohl von den Foo Fighters auf dem Southside Festival 2019, Foto: @CAPADOL

Anna: Wie hast du das Fotografieren gelernt? Hast du dir das selbst beigebracht oder von jemandem gelernt?

Lih: Ich hab‘ schlicht und einfach viel fotografiert! Ich glaube, es gibt doch diese Ten-Thousend-Hour-Rule, die besagt, dass man zehntausend Stunden investieren muss, um ne‘ Fähigkeit oder ein Handwerk zu beherrschen. Ich hab‘ ehrlichgesagt keine Ahnung, ob diese Aussage jemals verifiziert wurde, aber bei mir ist das sehr sehr gut anwendbar. Ich hab‘ einfach mega viel fotografiert und dadurch vieles gelernt. Ich war ständig in der Garage Saarbrücken, ich war gefühlt in jedem Jugendzentrum des Saarlandes und hab dort Konzerte fotografiert. Zum Glück gibt es im Saarland eine so starke Kultur! Dort wird vielen Newcomer-Bands die Möglichkeit gegeben, live aufzutreten. Dadurch habe ich natürlich auch die Möglichkeit bekommen, so viele Musiker*innen und Konzerte zu fotografieren. Das war eine gute Übung! Und so wurde ich dann auch von Konzert zu Konzert immer besser! Man muss da, glaube ich, auch einfach durch, dass die ersten Tausend Fotos nicht gut aussehen. Manchmal schäme ich mich auch so ein bisschen, wenn ich mir meine alten Fotos anschaue. Da frage ich mich dann, ob die Leute das damals wirklich gut fanden oder mich angelogen haben, um mich nicht zu verletzen.

Anna: Was machst du neben all dem Fotografieren noch so?

Lih: Glücklicherweise bin ich jetzt in der Musikbranche gelandet und mache dort alles, was visuell ist! Viele Musiker*innen fragen mich auch ob ich neben dem Fotografieren auch filme. In der aktuellen Situation der sozialen Medien ist die Tendenz stark videobasiert. Die Nachfrage nach Videos ist hoch und natürlich möchte ich das auch bedienen. Außerdem mache ich auch viel Grafikarbeit für Musiker*innen und Labels, z.B. Plattencovers und all sowas. Also insgesamt alles, was visuell ist!

Anna: Wirkt sich die Pandemie auf deinen Alltag aus? Was macht das mit dir und deinen Fotos?

Lih: Die Pandemie hat grundsätzlich sehr viel Einfluss, da ich oft zu Hause bin und dadurch sehr viel koche! 😉

Auf meinen Beruf hat es aber auch einen riesigen Einfluss, das ist klar! Mein Hauptsteckenpferd, die Konzertfotografie fällt momentan komplett weg. Deshalb müssen sowohl die Musiker*innen als auch ich selbst sich irgendwo neu orientieren, d.h. man überlegt sich, was man stattdessen machen kann und da müssen wir, glaube ich, alle sehr kreativ sein: Von Pressefotos bis hin zu Live-Sessions, Streaming- und Musikvideos, das alles mache ich in der Pandemie hauptsächlich statt der Konzerte.

Anna: Welche Kamera(s) verwendest du?

Lih: Ich hab‘ die Sony Alpha 73. Das ist bei sehr vielen Fotograf*innen so ein Standard-Modell, das ich häufig sehe. Die ist für Konzerte auch einfach sehr gut und vereint Foto und Video in einem. Neulich habe ich mir noch eine Leica Q geholt, da ich gesehen habe, wie viele Fotograf*innen damit unterwegs sind. Ich wollte herausfinden, ob die wirklich so gut sind und ob sie das Geld wert sind, weil Leica ja auch unglaublich teuer ist. Spoiler: Die Kamera ist ganz gut, aber auf keinen Fall das viele Geld wert. Am Ende macht die Sony mindestens genau so gute Bilder!

Anna: Welche Ziele hast du mit deiner Fotografie für die Zukunft?

Lih: Ein Hauptziel ist es, dass es mir weiterhin Spaß macht. Das ist für mich das Wichtigste! Ansonsten wird der Alltag zur Qual und dann werden auch die Fotos nicht gut, wenn man da nicht voll dabei ist!

Anna: Wen oder was würdest du auf jeden Fall gern in deinem Leben mal fotografiert haben?

Lih: Ich glaube, so einzelne Bands oder Personen kann ich nicht wirklich konkret benennen. Ich will weniger Musiker*innen einmal Fotografieren und das war’s dann, sondern mehr begleiten und mit ihnen wachsen und mich auch mit ihnen weiterentwickeln. Also z.B. Lady Gaga einmal aus der Ferne zu fotografieren, wäre schon mega cool, aber stattdessen würde ich, denke ich, lieber mit dabei sein und sehen, wie sich die Musiker*innen weiterentwickeln, wie schon erwähnt, und mit ihnen gemeinsam ihre Erfolge feiern.

Anna: Wie hast du es geschafft, dir all das aufzubauen, was du bisher erreicht hast?

Lih: Das hängt damit zusammen, dass ich viel fotografiert hab‘ und Glück dabei hatte. Z.B. war ich während meines Studiums viel von Musiker*innen umgeben, die Konzertfotos gebraucht haben. Ich denke, da gibt es kein Schema.

Anna: Und noch eine Frage zum Abschluss: Wieso fotografierst du gern? Was fasziniert dich daran?

Lih: Ich bin ein sehr vergesslicher Mensch. Das Fotografieren hilft mir dabei, mich an die schönen Momente zurück zu erinnern!

Musikfotograf Lih aus Mannheim war bei uns zu Gast!
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